Aderlass-Therapie (nach Hildegard von Bingen sowie schulmedizinisch)

Was ist ein Aderlass?

Der Aderlass (Phlebotomie) ist ein traditionelles Therapieverfahren, bei dem unter kontrollierten Bedingungen eine begrenzte Menge Blut aus einer Vene entnommen wird, um das Blut zu reinigen, den Organismus zu entlasten und regulierende Prozesse anzuregen.

Woher kommt die Aderlass-Therapie?

Der Aderlass zählt zu den ältesten bekannten Heilverfahren der Menschheitsgeschichte. Seine Anwendung lässt sich in verschiedenen Kulturen und Medizinsystemen unabhängig voneinander nachweisen, jeweils eingebettet in ein eigenes Krankheits- und Gesundheitsverständnis.

 

Die älteste systematische medizinische Beschreibung findet sich im ayurvedischen Werk Sushruta Samhita (ca. 1000–600 v. Chr.). Dort wird der Aderlass als Raktamokshana („Befreiung des Blutes“) beschrieben. Blut (Rakta) galt im Ayurveda als besonders sensible Körpersubstanz, deren Übermaß oder Belastung krankheitsauslösend sein kann. Der Aderlass wurde hier gezielt eingesetzt, um entzündliche Prozesse, Hitzezustände und bestimmte Haut- oder Schmerzkrankheiten zu regulieren.

 

Unabhängig davon entwickelte sich der Aderlass in der antiken griechischen Medizin. Maßgeblich geprägt wurde er durch die Vier-Säfte-Lehre (Humoralpathologie). Schon Hippokrates von Kos (ca. 460–370 v. Chr.) war der Meinung, dass eine fehlerhafte Zusammensetzung der vier Körpersäfte (sog. Dyskrasie) – nämlich von Blut, Schleim, gelber und schwarzer Galle – sowie eine evtl. Blutfülle (sog. Plethora) wichtige Ursachen für Erkrankungen darstellen, denen man durch Aderlässe vorbeugen und die man damit auch behandeln konnte.

 

Zum Aderlass saß der Patient für gewöhnlich auf einem Stuhl und umfasste mit seinem Aderlass-Arm einen Stab, um diesen ruhig zu halten. Am gestauten Arm ritzte man nun klassischerweise mit einem spitzen Messerchen oder einem Aderlass-Schnäpper eine Vene an und fing das Blut dann in einem Gefäß auf.

 

Später griff der Arzt Galen alias Galenos von Pergamon (circa 129–199 n.Chr.) diesen Ansatz auf und entwickelte daraus ein umfassendes Therapiesystem.

 

Auch im Mittelalter blieb der Aderlass ein zentrales therapeutisches Verfahren, insbesondere in der europäischen Medizin. Eine differenziertere Betrachtung findet sich bei der Seherin und Heilerin Hildegard von Bingen (1098–1179), die den Aderlass nicht schematisch, sondern maßvoll, vorbeugend und regulierend einsetzte. Dabei berücksichtigte sie sowohl den geeigneten Zeitpunkt (u. a. Mondphasen) als auch individuelle Faktoren wie Geschlecht, Konstitution, Alter und bestehende Erkrankungen und arbeitete mit bewusst begrenzten Mengen nur „belasteten“ Blutes.

 

Obwohl der Aderlass in der heutigen Schulmedizin nur noch bei klar definierten Indikationen, wie etwa der Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) oder bestimmten Formen der Polyglobulie („Blutfülle“), eingesetzt wird, hat er sich in der Naturheilkunde darüber hinaus als traditionelles regulatives Verfahren erhalten, das zur Unterstützung körpereigener Ausgleichs- und Entlastungsprozesse angewendet wird.

Welche Arten von Aderlass-Therapien unterscheidet man heute?

Heutzutage unterscheidet man überwiegend zwei Arten von durchgeführten Aderlässen, die v.a. in der Ausführungstechnik sowie den Anwendungsgebieten differieren:

  • den schulmedizinischen Aderlass:
    Der schulmedizinische Aderlass wird aktuell nur noch bei wenigen, klar definierten Indikationen eingesetzt, insbesondere bei der Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) sowie bei bestimmten Formen der Polyglobulie („Blutfülle“) mit erhöhtem Hämatokrit (erhöhter Anteil der roten Blutkörperchen im Blut). In der modernen Medizin gehört der Aderlass nicht zur allgemeinen Standardtherapie, sondern wird ausschließlich indikationsbezogen und unter fachkundiger medizinischer Aufsicht durchgeführt.

    Die entnommene Blutmenge liegt dabei in der Regel im Bereich von etwa 300 bis 500 ml pro Behandlung und richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung, dem Körpergewicht, dem Allgemeinzustand sowie aktuellen Laborwerten. Die Häufigkeit der Aderlässe variiert je nach Indikation und therapeutischem Ziel und kann von anfänglich kürzeren Abständen bis hin zu längeren Intervallen reichen, sobald stabile Zielwerte erreicht sind.

    Nach einem schulmedizinischen Aderlass ist eine ausreichende Regenerationszeit vorgesehen, in der auf eine angemessene Flüssigkeitszufuhr und körperliche Schonung geachtet wird.
  • den Aderlass nach Hildegard von Bingen:
    Die Intention des Hildegard-Aderlasses ist die regelmäßige Reinigung und Entgiftung des Gesamtstoffwechsels sowie die Stimulation der körpereigenen Selbstheilungskräfte. Nach Hildegard von Bingen sollen mit diesem Ausleitungsverfahren jedoch nur die „schlechten Säfte“ (u.a. mit Schlacken und Giftstoffen belastetes Blut) entfernt werden, während das „gute Blut“ dem Körper erhalten bleibt, um diesen nicht zu schwächen, sondern zu stärken.

    Um dies zu erreichen, hat Hildegard von Bingen in ihren Schriften genaue Kriterien zur richtigen Durchführung des Aderlasses aufgeführt, die es zu beachten gilt:
    1. richtiger Zeitraum:
      Ein Aderlass nach Hildegard von Bingen ist nur während der ersten 6 Tage nach Vollmond sinnvoll, da sich an diesen Tagen eine hohe Konzentration von Verunreinigungen im Blut befindet und diese in einer optimalen Verteilung für eine Ausleitung vorliegen.

      Nach diesem Zeitraum verflüchtigt sich ein Großteil der Verunreinigungen wieder aus dem Blut in das Matrixgewebe und wird in Form von Schlacken in den Depots des Binde-, Fett- und Muskelgewebes sowie in den zellulären Bereichen abgelagert.
    2. absolute Nüchternheit:
      Vor dem Aderlass darf mindestens 4 Stunden nichts getrunken und gegessen werden. Optimalerweise sollte bereits am Vorabend die letzte leichte Mahlzeit sowie ein alkoholfreies Getränk (idealerweise stilles Wasser) eingenommen werden.

      Des Weiteren sollten die Zähne vor dem Aderlass nur mit einer basischen Zahncreme (pH-Wert = 8) ohne schädliche Zusatzstoffe, wie z.B. Fluor, oder lediglich mit reinem Wasser geputzt werden – dieses darf jedoch nicht geschluckt werden.

      Sinn und Zweck dieser absoluten Nüchternheit ist es, dass sich die guten und schlechten Säfte im Blut nicht vermischen. Je mehr Speisen und Getränke vor dem Aderlass konsumiert werden, desto stärker ist die Blutvermischung, was zu einer schlechteren Ausleitung der Giftstoffe führt.
    3. richtige Vene:
      Nach Hildegard von Bingen soll der Aderlass bevorzugt an einer der drei Venen der rechten Armbeuge vorgenommen werden (die rechte Körperseite galt als ordnende und regulierende Körperseite):
      • die Kopfvene (Vena cephalica)
      • die Herzvene bzw. Mittelader (Vena mediana cubiti)
      • die Lebervene (Vena basilica)

      Die Wahl der richtigen Vene hängt von der Indikation ab und zeigt sich häufig dadurch, dass sich eine Vene im Vergleich zu den anderen fester anfühlt. Nach Dr. Ewald Töth liegt dies daran, dass sie stärker belastetes Blut enthält, welches die Venenwände reizt und diese dadurch starrer werden lässt.
    4. Blutmenge pro Aderlass:
      Die Menge des ausgeleiteten Blutes richtet sich in der Regel nach dem Umschlagszeitpunkt von dunklem, belastetem Blut zu hellem Blut. Zusätzlich spielen das Alter sowie die Konstitution des Patienten eine Rolle.

      Durchschnittlich werden bei einem Aderlass nach Hildegard von Bingen zwischen 30 ml und maximal 200 ml belastetem Blut abgelassen. Durch diese moderate Blutmenge wird der Körper nicht unnötig geschwächt.

Wie oft sollte ein Aderlass durchgeführt werden?

Hildegard von Bingen machte die Häufigkeit des Aderlasses vom Alter, dem Geschlecht und evtl. bestehenden Erkrankungen abhängig. Grundsätzlich sollte man nach ihr erst nach abgeschlossener körperlicher Entwicklung einen Aderlass machen, außer es liegt eine ernsthafte Erkrankung vor (hier bereits ab 20 Jahren).

 

Ihre generelle Empfehlung war es, bei Männern vom 30. bis zum 50. Lebensjahr sowie bei Frauen vom 20. bis zum 100. Lebensjahr den Aderlass mind. 2-mal pro Jahr und maximal 4-mal pro Jahr durchzuführen. Bei Männern im Alter über 50 bis 80 Jahren sollte er dann nur noch 1-mal bis maximal 2-mal pro Jahr durchgeführt werden und nach dem 80. Lebensjahr nur noch in Ausnahmefällen, da die Blutgefäße ab diesem Alter bereits geschwächt sind.

 

Beim medizinischen Aderlass sind neben der Konstitution des Patienten v.a. die laborspezifischen Parameter in Bezug auf die Indikation für die Festlegung der Häufigkeit des Aderlasses entscheidend.

Anwendungsbereiche (Auswahl)

  • Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
  • Polyglobulie („Blutfülle“)
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • erhöhte Blutwerte (z.B. Cholesterin-, Blutzucker-, Triglycerid- oder Harnsäurewerte)
  • Gefäß- und Kreislauferkrankungen
  • Durchblutungsstörungen und Sklerosen (Ablagerungen aller Art)
  • chronische Erkrankungen und Schmerzen (u.a. Gicht, Rheuma, Arthritis)
  • akute und chronische Entzündungskrankheiten
  • hormonelle Beschwerden (u.a. PMS, Zyklusstörungen, Wechseljahren, Schilddrüsenleiden)
  • Unfruchtbarkeit und Kinderwunsch
  • Autoimmun- bzw. Autoaggressionskrankheiten (u.a. Allergien, Krebs)
  • Hauterkrankungen (z.B. Akne, Herpes, Neurodermitis und Schuppenflechte)
  • Kopf- bzw. Gehirnerkrankungen (u.a. Migräne, Schwindel, Tinnitus)
  • Magen- und Darmerkrankungen
  • Stoffwechselstörungen und Übergewicht
  • Stressbelastung
  • Depressionen, Stimmungsschwankungen, Angst und Unruhe
  • Entgiftung (u.a. von Schwermetallen und Arzneimitteln)
  • Entsäuerung
  • Anti-Aging

Wann sind die nächsten Termine und was kostet ein Aderlass?

Die Termine für einen Aderlass nach Hildegard von Bingen richten sich nach dem Mondkalender, da er nur während der ersten 6 Tage nach Vollmond seine volle, gewünschte Wirkung entfaltet.

 

Da Sie zu diesen Terminen nüchtern erscheinen sollen, finden speziell die Hildegard-Aderlässe nur vormittags statt.

 

Im Jahr 2026 handelt es sich dabei um folgende Termine in meiner Praxis:

 

MonatDatum
Januar05.-09.01.
Februar02.-07.02.
März04.-07.03. sowie 09.03.
April03.-04.04. sowie 06.-08.04.
Mai02.05. sowie 04.-07.05.
Juni01.-06.06.
Juli01.-04.07. sowie 06.07. und 30.-31.07
Augustkeine Termine
September28.-30.09.
Oktober01.-02.10. sowie 27.-31.10.
November25.-28.11. sowie 30.11.
Dezember28.-30.12.

Bitte vereinbaren Sie hierzu rechtzeitig einen Termin.

Medizinische Aderlässe können auch in anderen Zeiträumen sowie zu anderen Tageszeiten durchgeführt werden.

Generell belaufen sich die Kosten für einen medizinischen Aderlass oder einen Aderlass nach Hildegard von Bingen auf pauschal 75,00 €, inkl. Vorgespräch, Blutdruckmessung sowie benötigtem Material. Bitte planen Sie hierfür 30 bis 60 Minuten ein.

Nach oben scrollen