Lasertherapie
Was versteht man unter Lasertherapie?
Die nicht-invasive Lasertherapie ist ein modernes medizinisches Lichttherapie-Verfahren, bei dem gezielt gebündelte Lichtenergie eingesetzt wird.
Ziel ist es, sowohl über thermische Effekte als auch über die sogenannte Photobiomodulation biologische Prozesse in Zellen und Gewebe positiv zu beeinflussen und so therapeutische Effekte zu erzielen.
Der Begriff „Laser“ steht für Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation („Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung“).
Im Gegensatz zu gewöhnlichem Licht besitzt Laserlicht besondere physikalische Eigenschaften:
- hohe Energieintensität des Lichtes (Strahlstärke)
- definierte Wellenlängen (Monochromasie)
- parallel gebündelte Lichtstrahlen mit geringer Streuung (Kollimation)
- zeitlich und räumlich geordnete Lichtwellen ohne Überlagerung (Kohärenz)
Durch diese Eigenschaften kann Laserlicht kontrolliert auf unterschiedliche Gewebestrukturen wirken.
Je nach Wellenlänge, Energie und Leistungsstärke können somit unterschiedliche therapeutische Effekte erzielt werden, wie z.B. eine
- Schmerzlinderung bzw. -ausschaltung (sog. Analgesie),
- Durchblutungsförderung,
- Muskelentspannung,
- Verbesserung der Zellregeneration,
- Heilungsbeschleunigung und
- Entzündungshemmung.
Wie ist die Lasertherapie entstanden?
Bereits in der Antike erkannten Menschen die heilende Wirkung des Lichts (sogenannte Heliotherapie). Ägypter, Griechen und Römer nutzten Sonnenlicht zur unterstützenden Behandlung verschiedener Beschwerden, darunter Hauterkrankungen, Wundheilungsstörungen sowie Gelenk- und Muskelbeschwerden.
Als wichtiger Wegbereiter der modernen Lichttherapie gilt der färöisch-dänische Arzt und Dermatologe Niels Ryberg Finsen (1860–1904). Er setzte Ende des 19. Jahrhunderts künstliche Lichtquellen, insbesondere UV-Licht, erfolgreich zur Behandlung der Hauttuberkulose ein und legte damit die Grundlage der modernen Phototherapie.
Der erste funktionierende Laser (Rubinlaser) wurde 1960 von dem amerikanischen Physiker und Ingenieur Theodore Harold Maiman (1927–2007) entwickelt. Kurz darauf begann die medizinische Forschung mit ersten therapeutischen Anwendungen von Laserlicht.
Als einer der Begründer der modernen medizinischen Lasertherapie gilt der ungarische Arzt Endre Mester (1903–1984). Er führte in den späten
1960er-Jahren an der Semmelweis-Universität in Budapest experimentelle Untersuchungen zur biologischen Wirkung von niedrig dosiertem Laserlicht
auf lebendes Gewebe durch.
Ursprünglich untersuchte Mester, ob schwache Laserstrahlung unerwünschte Nebenwirkungen wie Gewebeschädigungen oder Tumorbildung verursachen könnte. Dabei zeigte sich jedoch kein Hinweis auf eine krebserzeugende Wirkung. Stattdessen beobachtete er überraschend positive biologische Effekte, insbesondere eine beschleunigte Wundheilung sowie ein verstärktes Haarwachstum bei Versuchstieren.
Aus diesen Erkenntnissen entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten die sogenannte Low-Level-Lasertherapie (LLLT), auch „Softlasertherapie“ oder heute häufiger „Photobiomodulation“ genannt. Dabei wird Laserlicht im niedrigen Leistungsbereich (typischerweise im mW- bis unteren Wattbereich) eingesetzt, um zelluläre Stoffwechselprozesse und Regenerationsmechanismen zu unterstützen.
Parallel dazu entstanden leistungsstärkere medizinische Lasersysteme, die zunächst vor allem in der Chirurgie eingesetzt wurden. Aus dieser Entwicklung heraus entstand später die High-Level- bzw. High-Intensity-Lasertherapie (HILT). Diese arbeitet mit höheren Leistungen, ermöglicht eine tiefere Gewebewirkung und wird heute insbesondere in der physikalischen Medizin und Schmerztherapie eingesetzt.
Im Gegensatz zu chirurgischen Laseranwendungen ist sie nicht-invasiv und nicht-destruktiv.
Wie funktioniert die Lasertherapie?
Laserlicht wird – ähnlich wie normales Licht – an der Gewebeoberfläche teilweise reflektiert. Ein anderer Teil dringt in das Gewebe ein, wird dort gestreut und absorbiert oder durchdringt das Gewebe zu einem geringen Anteil vollständig und tritt auf der gegenüberliegenden Seite wieder aus. Im Gewebe trifft das Laserlicht dann auf sogenannte lichtabsorbierende Moleküle (Chromophore), wie z. B. Hämoglobin, Myoglobin oder Strukturen der Zellkraftwerke (Mitochondrien).
Durch die Aufnahme der Lichtenergie entstehen unterschiedliche biologische und physikalische Reaktionen im Gewebe:
- Thermische Wirkungen: Ein Teil der absorbierten Lichtenergie wird in Wärme umgewandelt. Dadurch entsteht eine kontrollierte lokale Gewebeerwärmung, die unter anderem die Durchblutung, Stoffwechselprozesse und Gewebeelastizität unterstützen kann. Die Wärme verteilt sich anschließend über natürliche Wärmeleitung (Konduktion) auch in umliegende Gewebeschichten. Zusätzlich können thermische Reize bestimmte nervale und reflektorische Mechanismen beeinflussen. Hierzu zählen unter anderem schmerzmodulierende Prozesse sowie reflektorische Muskelentspannungen. Im höheren Leistungsbereich der High-Intensity-Lasertherapie können dadurch funktionelle Schmerzreduktion und muskuläre Entspannungsmechanismen unterstützt werden. Vermutlich spielen hierbei unter anderem segmentale Schmerzhemmmechanismen sowie neurophysiologische Regulationsprozesse eine Rolle, wie sie beispielsweise im Rahmen der Gate-Control-Theorie beschrieben werden.
- Photobiomodulation und Biostimulation: Ein weiterer Teil der Energie wirkt direkt auf zelluläre Prozesse. Dabei wird u.a. die Aktivität der Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, angeregt. Dies kann zu einer gesteigerten Aktivität des zellulären Energiestoffwechsels führen. Die Zellen verfügen dadurch über mehr Energie für physiologische Reparatur- und Regulationsprozesse.
Die biologische Wirkung von Laserlicht hängt dabei wesentlich von der verwendeten Wellenlänge ab – also gewissermaßen von der „Lichtfarbe“.
Unterschiedliche Wellenlängen besitzen unterschiedliche Eigenschaften hinsichtlich
- Eindringtiefe,
- Energieabsorption,
- Streuung im Gewebe sowie der
- biologischen und thermischen Wirkung.
Kurzwelliges Licht – beispielsweise blaues Licht mit 450 – 495 nm – wird bereits in oberflächlichen Hautschichten stärker absorbiert und gestreut. Dadurch besitzt es eine geringere Eindringtiefe und wirkt überwiegend oberflächennah. Es wird u.a. mit beruhigenden und sedierenden Effekten sowie antibakteriellen Eigenschaften in Verbindung gebracht.
Längerwellige Lichtbereiche des nahen Infrarotspektrums ab ca. 780 nm können dagegen deutlich tiefer in das Gewebe eindringen und dadurch auch tieferliegende Strukturen wie Muskulatur, Sehnen oder Gelenkregionen erreichen.
Innerhalb des therapeutisch genutzten Infrarotbereichs gilt grundsätzlich, dass mit zunehmender Wellenlänge die Eindringtiefe der Laserenergie im Gewebe zunehmen kann.
Mit zunehmender Gewebetiefe nimmt jedoch auch die Intensität des Laserlichtes u.a. durch eine zunehmende Absorption (u.a. durch Haut, Fettgewebe, Muskulatur, Blut oder Wasseranteile) und Streuung kontinuierlich ab.
Dadurch reduziert sich die tatsächlich verfügbare Energie mit zunehmender Eindringtiefe. Moderne Hochleistungslasersysteme nutzen deshalb gezielt unterschiedliche Wellenlängen und hohe Leistungsbereiche mit mehreren Watt Leistung, um möglichst effektiv verschiedene Gewebetiefen therapeutisch zu erreichen.
Welcher Laser wird in der Praxis verwendet?
In meiner Praxis kommt der hochmoderne Endolaser HP 15 W von Enraf-Nonius zum Einsatz – einem Unternehmen der Zimmer MedizinSysteme, das auf über 20 Jahre Erfahrung im Bereich der Lasertherapie zurückblickt.
Dieser zeichnet sich u.a. durch folgende Merkmale aus:
- individuell regulierbare Leistung von 0,1 bis 15 Watt, wodurch eine Kombination aus Low-Level- und High-Level-Lasertherapie ermöglicht wird
- breites therapeutisches Einsatzspektrum durch drei kombinierbare therapeutische Wellenlängen (810 nm, 980 nm, 1064 nm)
- gezielte Behandlung sowohl oberflächlicher als auch tiefer Gewebestrukturen
- hohe Sicherheit durch
- integrierten Temperaturfühler
- Wärmeschwellentest
- Abgabe des Laserstrahls mit einem Öffnungswinkel von 35°/32°, sodass die Laserenergie nicht punktuell extrem fokussiert, sondern kontrolliert auf eine größere Gewebefläche verteilt wird
Jede der drei Wellenlängen dieses Lasers besitzt spezifische Eigenschaften hinsichtlich Eindringtiefe, Energieaufnahme und biologischer Wirkung im Gewebe:
- 810 nm – Photobiomodulation und Zellstoffwechsel:
Die 810-nm-Wellenlänge wirkt v.a. im oberflächlichen bis mitteltiefen Gewebebereich und wird besonders mit der sogenannten Photobiomodulation in Verbindung gebracht. Hierbei absorbieren bestimmte Zellstrukturen die Lichtenergie, wodurch die mitochondriale Energieproduktion angeregt werden kann. Dadurch stehen den Zellen mehr Energiereserven für Reparatur-, Regenerations- sowie entzündungsregulierenden Prozessen zur Verfügung. - 980 nm – Durchblutung und Gewebestimulation:
Die 980-nm-Wellenlänge besitzt eine stärkere Wechselwirkung mit wasserhaltigen Gewebestrukturen. Dadurch können unter anderem lokale Durchblutungsprozesse, Stoffwechselaktivität, Gewebeelastizität sowie muskuläre Entspannungsmechanismen unterstützt werden. - 1064 nm – Tiefenwirksame Hochleistungslasertherapie:
Die 1064-nm-Wellenlänge zeichnet sich durch eine besonders tiefe Gewebepenetration aus. Dadurch können auch tieferliegende Strukturen
wie Muskulatur, Sehnenansätze, Gelenkregionen oder myofasziale Spannungszonen gezielt erreicht werden wodurch unter anderem eine
funktionelle Schmerzreduktion unterstützt werden kann.
Durch die Kombination verschiedener Wellenlängen und individuell regulierbarer Leistungsbereiche kann die Behandlung gezielt an unterschiedliche Gewebestrukturen, Beschwerdebilder und therapeutische Zielsetzungen angepasst werden. Dadurch lässt sich die Lasertherapie mit diesem Gerät sowohl im regenerativen Low-Level-Bereich als auch im tiefenwirksamen High-Intensity-Bereich individuell einsetzen.
Die Behandlung ist dabei im Allgemeinen schmerzfrei und erfolgt nicht-invasiv und nicht-destruktiv. Das bedeutet, dass keine Gewebeabtragung stattfindet.
Anwendungsbereiche (Auswahl):
- Arthrosen (z.B. Gonarthrose, Rhizarthrose, Spondylarthrose)
- Lumbalgie und Ischialgie
- Schulterbeschwerden
- chronische Nackenschmerzen
- Sehnenentzündungen (u.a. Tennisarm, Mausarm)
- Muskelzerrungen und Muskelrisse
- Verstauchungen (Distorsionen)
- Karpaltunnelsyndrom
- schmerzhafte Muskelverspannungen
- Achillodynie (Schmerzen an der Achillessehne)
- schlecht heilende Wunden (z.B. Ulcus cruris, Dekubitalulkus)
- Fersensporn bzw. Plantarfasziitis (Schmerzen unter dem Fuß)
- Morton Neuralgie (schmerzhafte mechanische Überlastung der Nerven unter den Mittelfußköpfchen)
- Narbenbehandlung
- Warzen (u.a. Dornwarzen, anogenitale Warzen)
- Akne vulgaris
- Herpes simplex