Schüßlersalze
Was sind Schüßlersalze?
Bei den Schüßlersalzen handelt es sich um ursprünglich 11 (bzw. 12) von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler (1821 – 1898) entdeckte, anorganische Mineralsalze, die in der jeweiligen Zusammensetzung stets so im menschlichen Körper vorhanden sind und essentiell für eine reibungslose Funktion des Körpers sind. Nach dem Tod von Dr. Schüssler wurden diese Mineralstoffverbindungen um weitere 21 sogenannte „Ergänzungsmittel“ erweitert, die auch permanent im menschlichen Körper vorhanden sind.
Dr. Schüßler erkannte, dass aus diesen Salzen Heilmittel entstehen können, die weit über die Wirkung reiner Mineralstoffe aus unserer Nahrung hinausgehen: Sie können gezielt wichtige Körperfunktionen anregen oder wiederherstellen und so dazu beitragen, Fehlregulationen im Organismus zu normalisieren.
Die verwendeten Mineralsalze werden hierzu homöopathisch potenziert (D6- oder D12-Potenz), damit die Stoffe einzeln in Molekularform (ionisierter Form) optimal vom Organismus in die jeweiligen Zellen aufgenommen werden können, ohne dass die Zellmembran vorher den Zugang verschließt. Nach verschiedenen Forschungen verschließt sich die Zelle nämlich, wenn ihre Umgebung zu hohe Mineralstoffkonzentrationen aufbaut.
Einen Hinweis auf die benötigten Schüßlersalze kann hierbei die Antlitzdiagnostik geben, die später insbesondere von Kurt Hickethier (1891 – 1958) entwickelt wurde. Die Idee dahinter ist, dass sich ein Mangel an bestimmten Mineralsalzen durch charakteristische Zeichen im Gesicht (Antlitz = Gesicht) zeigt.
Inwieweit lässt sich die Wirkung von Schüßlersalzen erklären?
Über die Wirkungsweise der Schüßlersalze gibt es insbesondere folgende Ansichten:
- Zum einen geht man davon aus, dass mit der Gabe von Schüßlersalzen Mineralstoff-Mängel auf Zellebene ausgeglichen werden können, die sonst nur schwer beseitigt werden könnten. Auch wenn aufgrund der Potenzierung auf 1 g Kalium sulfuricum D6 (entspricht 4 Tabletten) nur ein Millionstel Gramm Kalium sulfuricum Substanz kommt, sind darin dennoch 16 Billionen Kalium-sulfuricum-Moleküle enthalten, mit denen man beispielsweise den gesamten Chlorkaliumgehalt von einer Million roter Blutkörperchen decken könnte. – Wichtig zu verstehen ist dabei, dass nur der Mineralstoffgehalt von den krankhaften Zellen ausgeglichen werden soll und nicht vom ganzen Körper.
- Eine andere Theorie besagt, dass durch die Gabe von Schüßlersalzen entsprechende Reize bei krankhaften Zellen gesetzt werden, die dafür sorgen, dass evtl. bestehende Molekularbewegungsstörungen, die eine Mineralstoffaufnahme in die Zelle verhindern, beseitigt werden. Durch Auflösen dieser Regulationsstarre können die entsprechenden Mineralstoffe dann wieder ungehindert aus dem Extrazellulärraum (Raum außerhalb der Zelle) sowie über die Nahrung in die Zelle aufgenommen und verwertet werden. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass ein Ungleichgewicht zwischen dem Mineralstoffgehalt innerhalb und außerhalb der Zelle einen langfristigen Ausgleich eines Mangels durch äußere Zufuhr – etwa über Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel – erschwert bis unmöglich macht, solange der Mangel nicht erst direkt auf zellulärer Ebene behoben wird.
Wie wurden die Schüßlersalze entdeckt?
Die Entdeckung der Schüßlersalze beruht auf seinen Namengeber, Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler (1821 – 1898), der nach jahrelanger Tätigkeit als homöopathischer Arzt, nach einer überschaubaren Heilmethode suchte, die – im Gegensatz zur Homöopathie – mit nur wenigen Arzneimitteln auskommen sollte. Dabei wurde er insbesondere von drei Wissenschaftlern geprägt, deren Forschungen die Grundlage für sein Lebenswerk gewesen sind:
- Jacob Moleschott (1822 – 1893), der physiologische Chemie lehrte: In seinen Forschungen stellte er fest, dass für den Aufbau und die einwandfreie Funktion der Organe eine ausreichende Versorgung des Körpers und der Zellen mit anorganischen Bestandteilen (Mineralstoffen) unerlässlich ist – und dass eben diese Substanzen unter anderem als Ascherückstände bei der Verbrennung des Körpers nachweisbar bleiben. Liegen diese Mineralstoffverbindungen nicht in ausreichender Menge vor, so kommt es seiner Ansicht nach zu Erkrankungen.
- Dr. Rudolf Virchow (1821 – 1902), Pathologe und Wissenschaftler an der Charité in Berlin: Er erforschte den Aufbau und die Funktion von Körperzellen und ging davon aus, dass alle Krankheiten auf einer veränderten Tätigkeit bzw. Beschaffenheit der Zellen beruhen.
- Justus von Liebig (1803 – 1873), ein deutscher Chemiker und Universitätsprofessor: Er erkannte, dass Pflanzen wichtige anorganische Nährstoffe in Form von Salzen aufnehmen, und begründete durch seine Forschung die moderne Mineraldüngung und den Beginn der Agrochemie. Das führte Dr. Schüssler zu der Erkenntnis, dass wenn kranke Pflanzen mit benötigten Nährsalzen gedüngt werden, damit sie wieder gesund werden, dies auch für eine Behandlung von kranken Menschen funktionieren sollte.
Dr. Schüßler wollte auf Grundlage dieser Erkenntnisse herausfinden, mit welchen Mineralsalzen sich kranke Zellen gezielt unterstützen lassen, um so zur Wiederherstellung der Gesundheit beizutragen. Bei der Analyse von Leichenaschen aus dem Krematorium stellte er fest, dass in verschiedenen Geweben und Organen jeweils unterschiedliche Mineralsalze in dominanter Form vorkommen – Substanzen, die für die ordnungsgemäße Funktion der Zellen unerlässlich sind. Um diese Mineralstoffe direkt in die erkrankten Zellen einzuschleusen, entwickelte er die Idee, sie homöopathisch zu potenzieren – also in stark verdünnter und dynamisierter Form anzuwenden.
So entstanden dann die Schüßler-Salze. Diese wendete er nun sehr erfolgreich bei unterschiedlichen Erkrankungen in seiner Praxis an. In Oldenburg behandelte er beispielsweise über 1.000 an Diphtherie erkrankte Kinder erfolgreich mit Kalium chloratum – zu einer Zeit, in der viele seiner ärztlichen Kollegen der Krankheit mit dem damaligen medizinischen Wissen weitgehend hilflos gegenüberstanden und zahlreiche Patienten der Infektion zum Opfer fielen.
Seine Erkenntnisse veröffentlichte er erstmals im März 1873 in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung unter dem Titel „Eine abgekürzte homöopathische Heilweise“.
Anwendungsbereiche (Auswahl):
Weil der Körper auf eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen angewiesen ist, kann ein Mangel verschiedenste Störungen im Organismus nach sich ziehen:
- Schmerzen aller Art
- Krämpfe
- chronische Entzündungen
- Hauterkrankungen
- Immunschwäche
- neurologische Störungen
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Darmprobleme
Wichtig zu verstehen ist, dass Schüßlersalze v.a. auf der intrazellulären Ebene arbeiten und keinen grobstoffliche Mineralstoffbedarf außerhalb der Zellen decken können. Es empfiehlt sich daher, diese zusätzlich zu anderen Substitutionsmitteln einzusetzen.